Policy Brief

Mehrsprachigkeit ist kein Defizit

19. Februar 2020

„Wege in die Zukunft“ hat ein Papier über Bildungsziele und Sprachkompetenzen bei Schüler/innen der Neuen Mittelschule in Wien erstellt.

Geringe Deutschkenntnisse von Schüler/innen „mit Migrationshintergrund“ werden häufig als ein Problem für die Bildungspolitik gesehen. Doch sind daran andere Sprachen schuld? Und ist es sinnvoll, Schüler/innen in separate Schulklassen zu trennen, je nachdem wie gut sie Deutsch können?

Erzählungen von Jugendlichen bei „Wege in die Zukunft“ zeigen, dass man in gemischten Schulklassen oft bessere Möglichkeiten hat, Deutsch zu lernen und zu sprechen, wenn man neu in Wien ist. Oft findet man in der Klasse jemanden, der oder die die gleiche Muttersprache hat, aber schon länger hier ist und helfen kann.

In offiziellen Dokumenten wie dem Integrationsbericht werden Schüler/innen eingeteilt, je nachdem ob sie zuhause Deutsch oder eine andere Umgangssprache haben. Dies hinterlässt den Eindruck, dass jene, die nur Deutsch zuhause sprechen, immer im Vorteil sind.

In Realität verwenden mehrsprachige Jugendliche auch zuhause oft verschiedene Sprachen (darunter auch Deutsch). In welchen Situationen und mit welchen Personen sie welche Sprache sprechen, verändert sich mit der Zeit.

Probleme in der Schule sollte man nicht auf die „Muttersprache“ schieben. In Freundschaften und im Leben außerhalb der Schule ist Mehrsprachigkeit in der Regel eine Stärke. Die eigenen Kompetenzen und die eigene Identität zu schätzen kann Jugendlichen helfen, auch Schwierigkeiten in der Schule besser anzugehen.

Studienergebnisse

WEN MAN KENNT bestimmt WAS MAN LERNEN WILL

1. Dezember 2019

Nach der NMS: Schule, Lehre oder möglichst bald arbeiten? Die Soziologin Soňa Peközová forscht, wie es zu ungleichen Chancen im Bildungssystem kommt. Für ihre Masterarbeit wollte sie wissen, was Jugendliche am meisten beeinflusst, wenn sie ihren Ausbildungsweg nach der NMS auswählen. Dazu hat sie die Ergebnisse der 1. Online-Befragung von „Wege in die Zukunft“ untersucht.

Soňa Peközová auf der soziologischen Nachwuchswoche 2019
Soňa Peközová auf der soziologischen Nachwuchswoche 2019

Soňa Peközová überprüft unter anderem eine Theorie des Soziologen Pierre Bourdieu. Für eine erfolgreiche Zukunft sind laut Bourdieu verschiedene Arten von „Kapital“ wichtig. Geld ist „ökonomisches Kapital“ – wenn man zu wenig davon hat, kann man sich gewisse Vorteile schwerer verschaffen: z.B. ein eigenes Zimmer, einen eigenen Computer oder Nachhilfe. „Kulturelles Kapital“ ist Schulbildung, aber vor allem auch Wissen und Fähigkeiten, die Eltern ihren Kindern auf den Weg geben. Das „soziale Kapital“ ist das Netzwerk an Beziehungen und Kontakten, die man hat: Familie, Freunde und Freundinnen, Bekannte oder Kollegen und Kolleginnen.

Soňa Peközová hat nun näher untersucht, wie wichtig diese einzelnen „Kapitalsorten“ für die Schulnoten und die Wahl der weiteren Ausbildung nach der NMS sind. Ihre Forschung zeigt, dass das ökonomische Kapital (die Ausstattung zuhause) und das kulturelle Kapital (Bildung der Eltern, Theater- und Museumsbesuche) dabei helfen können, dass Jugendliche bessere Noten erreichen. Es hat sich aber auch herausgestellt, dass diese Bedingungen nicht so viel Einfluss darauf haben, welche weitere Ausbildung sich die Jugendlichen am Ende der NMS wünschen! Hier hat das soziale Kapital einen wichtigeren Einfluss: Wer verschiedene Verwandte oder Bekannte in angesehenen Berufen hat, der oder die möchte auch selbst eher eine höhere Ausbildung machen.

Dieses Ergebnis könnte man so verstehen: Ein großes Netzwerk an Kontakten, in dem es auch Personen gibt, die eine gute Ausbildung gemacht haben, kann inspirieren und motivierend sein. Somit ist nicht nur die Unterstützung wichtig, die Jugendliche bekommen, um gute Schulleistungen erbringen zu können (z.B. Nachhilfe, Deutschkurse, usw.). Wichtig ist auch, viele verschiedene Personen kennen zu lernen. Denn dies hat einen Einfluss auf die eigenen Ziele und Entscheidungen!

Soňa Peközovás komplette Masterarbeit ist HIER zu finden.

QUANTITATIVE BEFRAGUNG 2019

2. Online-Befragungswelle abgeschlossen

1. Juli 2019

Von Februar bis Juni 2019 fand unsere 2. große Online-Befragung über das Leben von Jugendlichen in Wien statt. Wir danken allen, die unserer Einladung gefolgt sind und besonders den 679 Personen, die alle 3 Teile des Fragebogens gemacht haben! Wir freuen uns über das viele Feedback am Ende des Fragebogens. Wir gratulieren außerdem den Gewinnerinnen und Gewinnern der Preisverlosung.

Nächstes Jahr geht es weiter! Zur Umfrage „Wege in die Zukunft 2020“ werden wir wieder alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der letzten Befragungen einladen. Alle, die sich bereit erklärt haben, mitzumachen, sind Teil unseres Projekts.

„Wege in die Zukunft” ist ein Forschungsprojekt der Universität Wien, Institut für Soziologie in Kooperation mit: